Stalin sah in der Folge des verlorenen polnisch-russischen Krieges 1920/21 im bürgerlichen Polen den Hauptgegner der Sowjetunion und entwickelte einen großes Misstrauen und sogar Hassgefühle gegen dieses Land, seine Führung und Bevölkerung
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht und der Roten Armee in Polen 1939 verübten die Besatzer in ihren jeweils okkupierten Gebieten unzählige Gräueltaten an der Bevölkerung und kooperierten dabei eng miteinander.
Da es zwischen der Sowjetunion und Polen offiziell keinen Kriegszustand gab, wurden polnische Offiziere und Beamte unter erbarmungswürdigen Bedingungen in NKWD-Lager interniert und nach sowjetischem Recht behandelt und verurteilt.
Aufgrund von NKWD-Verhörprotokollen, die dem Hauptteil der polnischen Führungsschicht eine antisowjetische Gesinnung unterstellte, ordnete das Moskauer Politbüro Anfang 1940 die Massenexekution der Polen an.
Die bekanntesten Orte an denen in Frühjahr 1940 polnische Offiziere, Beamte und Intellektuelle durch den NKWD ermordet wurden sind Katyn, Kalinin und Charkow. Insgesamt fielen diesen Exekutionen ca. 25 000 Polen zum Opfer.
Im Frühjahr 1943 stieß die Wehrmacht auf die Massengräber bei Katyn. Die Obduktion der Leichen wies klar darauf hin, dass sie durch den NKWD hingerichtet worden waren.
Goebbels nutzt die Funde für eine Propagandakampagne gegen die Sowjetunion. Da die polnische Exilregierung in London daraufhin Untersuchungen anstrebte, kam es zum politischen Bruch zwischen Moskau und der polnischen Regierung.
Trotz der verdichteten Beweislage durch die Arbeit polnischer sowie internationaler Pathologen und trotz die Ermittlungsergebnisse bestätigender Berichte vormals skeptischer Besucher, zeigten die Resultate keine Wirkung. Die britische und amerikanische Öffentlichkeit erfuhr nichts davon, dass es sich in den Gräbern von Katyn um in sowjetischer Gefangenschaft vermisste Polen handelt.
Das Ziel der Goebbelschen Propaganda, Zwietracht unter den Hauptgegner Hitlerdeutschlands zu sähen und die eigenen Gräuel zu relativieren, schlug fehl. Nur die polnische Exilregierung kam ins Hintertreffen, da sie aufgrund eigener Ermittlungen die sowjetische Täterschaft deutlich artikulierte.
Nach der Räumung des Gebiets um Smolensk durch die Wehrmacht im Spätsommer 1943 wurde von sowjetischer Seite sofort daran gearbeitet die deutschen Ermittlungen durch Beweismanipulationen, falsche Zeugenaussagen und mit Hilfe einer rein sowjetischen Expertenkommission zu widerlegen und das Verbrechen dem Dritten Reich anzulasten.
Ein internationales Journalistenteam besuchte Katyn doch von deren Beurteilungen wurden nur sowjetisch freundlich gesinnte, die deutsche Täterschaft anklagende Stimmen publik gemacht. Kritische Beurteilungen kamen in die Archive der Alliierten.
Während der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse versuchte die Sowjetunion Katyn klar als Vergehen der deutschen Führung aburteilen zu lassen. Dies gelang ihr jedoch nicht, weshalb sich Moskau aus den Militätribunalen zurückzog.
Aufgrund der veränderten politischen Lage durch den Korea-Krieg, bildete sich 1950 in den USA die Madden-Kommission zur Untersuchung der Causa „Katyn“ und stellte in ihrem Abschlussbericht im Jahr 1953 die sowjetische Täterschaft fest. Einfluss auf die internationale Politik hatte dies jedoch nicht.
Spätestens ab Mitte der 1950er Jahre versuchten Moskau und die sozialistische Regierung in Warschau die Thematik „Katyn“ totzuschweigen.
Mit den politischen Veränderungen im Ostblock setzte sich das polnische Regime ab dem letzten Drittel der 1980er Jahre für eine Aufklärung von Katyn ein, doch erst im April 1990 gestand Moskau die Täterschaft des NKWD ein, nicht aber die der sowjetischen Staatsführung ein.
Im Herbst 1992 gestand die neue russische Regierung unter Jelzin ein, dass Katyn, Charkow und Kalinin „staatlich angeordnete Massenmorde“ waren.
Ab Mitte der 1990er Jahre stellt sich Russland einer Aufarbeitung „Katyns“ in den Weg und entzieht sich der Verantwortung. Die russische Auseinandersetzung ist von Ignoranz, Relativierungsversuchen und Verschwörungstheorien, die die sowjetische Täterschaft abstreiten, geprägt.
Das russisch-polnische Verhältnis wird nach wie vor durch „Katyn“ geprägt und belastet.
Churchill und Roosevelt sowie ihre Stäbe entschieden sich während des Kriegs für eine kritiklose Realpolitik gegenüber Stalin und ließen etwaige Kritik sowie das Bündnis gefährdente Informationen nicht zu.