Die Zukunft, die Nietzsche seinem Werk vorhersagte, trat ein, ist aber heute bereits wieder zur Vergangenheit geworden. (17)
Radikalisierte und generalisierte Widmanns Unterscheidung: "#Stil ist der Wahrheit überlegen, er trägt in sich den Beweis der Existenz." (17)
"Sein Werk wollte sich nicht damit begnügen, in der Sphäre des Worts, als Literatur also, Aufsehen zu erregen. Es wollte die Grenze des Worts zur Tat überschreiten (Nietzsches Nachfahren überschritten sie wirklich)." (17)
Stil auf alles übertragbar in der Kultur + kommt von "stilus", Griffel, + Schreibart eines Schriftstellers, wie einer sein Werkzeug hält. + Grammatik und Stil verhalten sich wie Pflicht und Kür. Stil ist Kür, aber nicht Willkür:
"Die Summe seiner Extravaganzen soll wiederum eine Ordnung ergeben, eine nach ästhetischen Gesichtspunkten ge-formte Grammatik zweiten Grades." (19) + Stil auch ein Mittel der Distinkion bei den Aristokraten. fordert Beachtung und Achtung
"Wem es gelingt, einen #Stil zu schreiben und nicht nur Sätze, der beweist, unabhängig von jedem bestimmten Inhalt, dass er über genügend Geist und Souverenität verfügt, um [...]
[...] unter seinem namen dem anonymen Chaos der nachlässig gehandhabten Sprache endlich den Charakter von Entschiedneheit, Notwendigkeit, Gültigkeit und Herrschaft aufzuprägen." (19f)
Nietzsche verzichtete zunehmend auf Vorlesungen und Vorträge, sogar auf Gespräche. Er redete nur noch schreibend. (30)
+ Nachbildung auf die Akustik des Worts zurück, auf die Stimme, die im Text verstummt ist. + Sie erzeugen im Leser die Vorstellung, dass er den Tod heben oder senken müsse, dass seine Stimme lauter oder leiser werde.
Obgleich er einen derart präparierten Text nicht wirklich spricht, sind dennoch seine Sprech- und Atmungsorgane, Teile seines Körpers also, halluzinatorisch während der Lektüre tätig. + Erlebbarkeit des Textes + Bewegung des Körpers
"Nietzsches Zeichensetzung soll einen derart passiven, geradezu desinteressierten Umgang mit seinen 'Gedanken-Sammlungen' verhindern." (33)
"Die Stimme hört einem einzelnen, die Wörter gehören allen. Der Stil eines Autors wird durch Wörter, die er vermeidet, ebenso modelliert wie durch Wörter, die er gebraucht." (33)
"Absichtlich dramatisiert #Nietzsche den längst von ihm durchdachten Gedankengang, dass der Leser die Anstrengung eines überlegenen Denkers erkennt oder das produktive Chaos eines unbegreiflichen Genies verehrt."(36)
Nietzsches Zeichensetzung führt dem leser die engen Grenzen seines Denk-vermögens im Vergleich zu dem des Autors vor Augen. "Was dasteht, ist wen-iger, als was dahintersteckt: der unbe-grenzte Gedankenreichtum d. Autors, d. davon im begrenzten Text nur einen Aus-zug, eine Kostprobe gegeben hat." (37)
"Die exquisite Interpunktion fügt den bedeutenden Worten das Versprechen bedeutender Gedanken hinzu, die vielleicht in Zukunft die Gestalt von Worten annehmen werden." (37)
"Daran, dass er den Redefluss der Worte unterbricht, zeigt sich die Gewalt des Gedankens, der das Nachdenken erzwingt. Extreme Interpunktion, Hervorhebung einzelner Wörter, Störung des korrekten Satzbaus will Nietzsche als taten seines Geistes verstanden wissen, [...]
[...] der sich aus allen Konventionen, auch aus denen der Grammatik, befreit hat. Nietzsches Leser kann den Sinn der Wörter verstehen, den Sinn der Zeichen jedoch nur erahnen. [...]
[...] Ihre Häufung, ihre Undeutlichkeit machen ihn ratlos, als hätte er sich in ein unbekanntes, unwegsamen Gelände vorgewagt. Sehnsüchtig wartet er auf den Führer, der die Zeichen richtig zu deuten weiß, weil dieser sie selbst gesetzt hat." (37f)
"Höflichkeit ist ein Verhalten auf Gegenseitigkeit und fragt nicht nach der Individualität der an der Kommunikation beteiligten Person." (44)
"Warum fasziniert Nietzsches furioser Stil selbst den Leser noch, der gegen Nietzsches verstiegene und komromittierte Ideen immun geworden ist?" (45)
"Solche Bescheidenheit endet mit #Nietzsche. Er schreibt jeden Satz, als ginge es darin um das Äußerste und Letzte. Nietzsches Passage lässt keinen Augenblick vergessen, dass folgenschwere Entscheidungen von ihrem Verfasser zu treffen waren und vom Leser zu treffen sein werden. [...]
[...] Jedermann soll Nietzsches frühere Zuwendung zu Wagner und die jetzige Abwendung von ihm als die wichtigste Angelegenheit „für die Erziehung des Menschengeschlechts“ betrachten. [...]
[...] Auch Nietzsches Sprache lässt keinen Augenblick lang vergessen, dass der Autor über geniale Fähigkeiten verfügt, ja, geradeheraus, ein Genie ist.“ (46)
„Mit dem wachsenden Nachruhm Nietzsches zieht die radikale, rücksichts-lose, unhöfliche Sprach-gebärde alle Bewunderun auf sich. Nietzsches Mitwelt, in der von Gildemeister besch-riebenen altbürgerlich, friedfertigen Sicherheit aufgewachsen, war von dieser neuen Sprache abgestoßen. [...]
[...] Nietzsches Nachwelt jedoch vernahm in seiner ungebärdigen und zugleich vir-tuosen Prosa die stimme des 20. Jahr-hunderts, die sich hervorragend eignete für die Begleitung und Beförderung der Revolutionen und Kriege, der Innovati-onen und Katastrophen, [...]
der Eman-zipation und Gewalttaten, woran diese Epoche so reich sein sollte.“ (47)
[...] Mit #Nietzsche beginnt eine neue Art des Essays (der gar nicht mehr diesen bescheidenen namen eines 'Versuchs' oder – wie es der ursprünglichen Bedeutung des Worts 'Essai' entspricht – einer 'Kostprobe' tragen will." (47)
"Er nützt ein Privileg der Dichtung: Sie ist erlaubter, verabredeter, ja erwünschter Wahnsinn. Im furor poeticus redet der Dichter von Dingen, die gar nicht existieren, [...]
[...] in einer Sprache, die niemand spricht, von Welten, Personen und Ereignissen, die frei erfunden sind, in Bildern, Vermaßen und Reimen, wie sie die Alltagsrede nicht kennt." (49)
"Die Poetisierung der philosophischen Prosa gehört zu Nietzsches Kunst der Verführung." (50)
32 Sätze des Euklid als Kind studiert/ #Pascal bezeichnete Linie als Stange, und Kreis als Reifen./ Mit 16 J. Schickte P. Seine Arbeit über die Kegelschnitte an #Descartes, der seine Autorschaft bezweifelte. (Die Arbeit ist nicht erhalten./Ein Satz daraus ist bis heute nach P. benannt./)
„Er betrachtete nämlich die Kugelschnitte, Hyperbel, Parabel, Ellipse als perspektivische Abwandlungen, als Minderungen des Grundkreises des Kegels, als Wiederholung eines gleichen Formprinzips, als 'unähnlich ähnlich' einem vollkommeneren, […]“ (S. 17)
„In diesen Zirkeln, in diesen von männlichen Geist geprägten Salons lebte und entwickelte man in lebendigem gesellschaftlichen Verkehr die Form der wissenschaftlichen Verständigung und schuf so ohne Pedanterie das Vorbild der französischen Akademie,
die Richelieu 1636 ins Leben rief und die dann vorbildlich für die wissen-schaftlichen Akademien in allen anderen Ländern geworden ist…" Honette homme: Nur diese umfassende Eigenschaft gefällt mir (fragm. 35) In Rouen ein Salon/
Natur hat Furcht vor der Leere, nach #Aristoteles gäbe es in der Welt kein Nichts/ #Pascal als Vertreter des Torricel-lischen Vakuum/„Die Wahrheit habe 2 Quellen, die Evidenz d. Idee und d. Evid-enz der Tatsachen, und 2 Wege gäbe es, sie zu begründen, d. mathematische De-duktion und das Experiment.“ (S. 21)
Vergleich der Rechenmaschine mit den Tieren: Größere Intelligenzleistung, jedoch kein Wille/ Erfindung der Wahrscheinlichkeitsrechnung, gleichzeitig aber unabhängig von #Fermat/
Wertewandel und Rückzug aus der Welt/ „Bekehrung“/ Bezeichnung der Jansenismus von Port Royal im Kampf gegen Jesuiten/#Pascal dargestellt als „[…] Prototyp des hypernervösen, übersensiblen Menschen
[…], einen von Zweifeln und Ängsten gemeinigten Menschen, der nahe am Rande des Wahnsinns stand und zeitweilig offenbar geistig gestört war, wozu dann als Beweis jene visionäre Erfahrung vom November 1654 dienen musste.“ (S. 25)
Einzelne Hefte haben Auflagen bis über 10000 : “[…] man riss sie sich förmlich aus den Händen und obgleich sie durch königliches Dekret verboten und die Drucker verfolgt wurden, heißt es doch, dass es sich Ludwig XIV. nicht nehmen ließ, darauf zu bestehen, dass er jeden neuen der Briefe rasch erhielt.“ (S. 26) /
Pascal greift in den „religiösen Krieg“ durch Flugschriften ein - Fiktive Briefe aus Paris in die Provinz/ 18 Briefe von 23.01.1656 bis März 1657 /Scheinbar neutrale, naive Position des Schreibers Montalte /Ungeheure Wirkung der #Lettres_Provinciales /
führte dazu, dass sie später von Rom aus verboten wurden. /Literarische Glanz-leistung, Natürlichkeit und Leichtigkeit der Sprache als Folgen schwerer Arbeit/
„Trotzdem siegte die Partei nicht, der Pascal seine Feder geliehen, und Pascal selbst brach die Fortsetzung seiner kleinen Briefe mitten im Erfolg, nach Erscheinen des 18. Briefes ab.“ (S. 27)
Widmet sich der Apologie des Christentums, gegen seine Feinde./ #Pensees um 1657/58/ Der Buchbinder bringt die Fragmente durcheinander: (Unzuverlässigkeit der Notizen, problematische Zeichensetzung)
„Blaise Pascal war Zeit seines Lebens krank und Opfer mancher quacksalberischen Bemühungen, ihn zu heilen.“ (S. 27)/ Leben mit Schmerzen/ nach dem Tod entdeckt man Gürtel der Kasteiung mit Stacheln, den er trug. /
Umwertung des Vorherigen Kampfes für die Wahrheit: Fragment 582: ‚Sogar aus Wahrheit macht man sich einen Götzen, denn die Wahrheit außerhalb der Liebe zu Gott ist nicht Gott, sie ist ein Bild und ein Götzenbild, das weder zu lieben noch zu verehren ist.‘
„Gibt es doch nichts Größeres und Geheimnisvolleres als die unfassbare Erleuchtung, die der Tod lehrt. Wenn unsere Werke die Eigenart unseres Geistes, des Erbes unserer Vorfahren und unserer Bildung zeigen, als persönliche Werke sind und sein müssen, wenn sie bestehen sollen,
so ist unser sterben – ‚allein wird man sterben‘ – das persönliche Werk, das wir zu vollbringen haben – haben werden. Denn das Sterben des Menschen ist nicht wie das Erlöschen einer Kerze oder wie das Enden des tierischen Lebens,
sondern in ihm sind notwendig sowohl der #Geist als der Wille beteiligt, ist doch in ihm zwischen Hier und Dort alles zu gewinnen und alles zu verlieren. Kein Mensch gibt die #Seele, wie sie geschafften wurde, #Gott zurück; sondern die Seele, die die Prägung unseres Lebens und Tuns zeigt,
wird vor den Thron Gottes gerufen, denn alles Sterben ist sowohl Ende wie Beginn und der Tod nicht das Nichts, sondern der Ort zwischen den Ordnungen dieses und jenes seins.“ (29f)
Widmung #Pascals gegen Ende der Demut, Kampf gegen den Stolz, Selbstnichtung „über sich selbst zu siegen, wie er im Streit der Meinungen die anderen zu besiegen vermocht hatte.“ (S. 30)
„,nichts ist schöner als der Sieg des Gei-stes über den spröden Stoff der eigen-willigen #Seele, als die Wandlung des Stolzes in die Demut der Liebe zu #Gott, als jener geheimnisvolle metallische Glanz der Seele, wie er die Bilder der Heiligen, wenn wir sie mit unseren inn-eren Auge schauen, schmückt. „ (S. 30)
Macht der Liebe überbrückte die Kluft, den Abgrund, der ihn von der Ordnung der Liebe trennte/ Verwandlung der Sehnsucht in das Sein der Wirklichkeit. /Ringen um das Zuteilwerden der Gnade (nicht mehr in Wort) als Leitmotiv des Lebensendes.
„Da man ihm die heilige Kommunion verweigerte, bat er, man möge ihn in den Gliedern der Kirche kommunizieren lassen, wenn man es nicht in dem Haupt der Kirche wollte, sollte man ihn zu den Ärmsten und Elendsten bringen, damit er dort sterbe.“ (S. 32) Letzte Bitte, dass ihn #Gott nie verlassen möge.
Französische Klassik, #Richelieu schlägt die #Hugenotten, Voraussetzung für Absolutismus Ludwigs XIV? Bedeutung von #Descartes: #Pascal von #Brunetiere als der antikartesianische Mann seiner Zeit bezeichnet
„Doch obgleich ich die Grundsätze der Pascalschen Philosophie so verschieden von jenen Descartes' empfinde, dass ich meine, dass Pascal das Denken unserer Zeit aus dem Bann der Nachfolge Descartes‘ zu befreien vermöge,
so ist doch ebenso sicher, dass wir in der #Pensees genug Sätzen begegnen, die ohne Descartes nicht denkbar sind. „ (S. 35)
„Kein Sieger hat je das Böse überwunden, das er bekämpfte und je heftiger er es verfolgte, um so ähnlicher wurde er diesem.“ (S. 36f)
Buch über Augustinus von Bischof Jansen (Ähnlichkeit mit #Calvin – #Hugenotten)/ Streit der Meinungen der letzten vier hundert Jahre darf uns nicht parteiisch machen
Donquichottisches Verkennen der Wirklichkeit im Eifer des Gefechts./ Übereinstimmung unserer Wahrheit mit der Ordnung, führt zum Recht. Verwirrung aus dem Durcheinanderbringen der Ordnungen:
Hochmütig aus dem Naturgesetz (Ordnung der leblosen Natur) einen Götzen gemacht/ Irrglaube, aus ihm alles deuten zu können.
„Auch Pascal hatte im Glück des Kamp-fes, im Hochgefühl seiner Überlegenheit im Kampf für Gott und die Reinheit sei-ner Lehre mit dem Kampf um die Ver-wirklichung seiner Lehre in uns selbst verwechselt und das, obgleich er die Gegenwart Gottes in der Glut der höch-sten Entzückung erfahren hatte.“ (S. 41)
Das Dokument religiöser Erfahrung am 23. November, dem Jahr der Gnade. Zwei Stunden der Ekstase bis halb nach 12, in einem Wort. feu, feuer oder Glut, „d.h. übernatürliche Erfüllung des Herzens durch die Liebe zu Gott“/Gewissheit, Gewissheit, Empfinden, Freude, Friede.
Sachliche Klarheit einer visionären Ekstatis, Beobachter des Erlebnisses / “Dadurch gewinnt dieser nicht für fremde Augen bestimmte Bericht eine eigene Beweiskraft, schenkt er dem Suchenden eine Gewissheit, die ganz anderer Art ist als jene unbezweifelbare Gewissheit,
Durcheinander, Fehler, Aufteilung der Fragmente etc. / Fragment 72, das umfassendste und sollte zum Kapitel über den Menschen zugeordnet werden.
Endlichkeit hat kein Verhältnis zur Unendlichkeit/ Missverhältnis und nicht Unvermögen oder Unfähigkeit wie bei Rüttenauer, der das Absurde der Menschlichen Lage interpretiert, Pascal sei durch die Begegnung mit dem Unendlichen erschüttert und zum staunenden Nichtwissen aufgerufen. Beides ist möglich. /
Pascal als rationalistischer Mathematiker und Psychologe /Philosophie entspricht seinen Erlebnissen, Lebenserfahrung. #Pensees - kein Tagebuch oder Confessiones / Vergleich mit Kriekegaards sokratischer Ironie/ Hebammen Kunst, für den Leser/
„Denn das, dass der Andere selbst zu der Überzeugung gelange, dass er sie für sich selbst gewinne und sie nicht nur als Aussage eines Andern gedächtnismäßig erkenne, ist der Sinn der sokratischen Methode, und also darf man Pascal so wenig wie den platonischen Sokrates auf jedes Wort
festlegen, sondern man muss bei beiden genau hinhören, um den geheimen Gedanken, um den es sich eigentlich und immer handelt, von den dialektischen Mitteln, die ihm dienen, zu unterscheiden.“ (S. 51) /
Mittel der pedantischen Menschen gegen die Ironie, den Ironiker beim Wort nehmen. Pascals Ironie ist pedantisch (?) und von dem großen Ironiker Voltaire unverstanden geblieben.
Pascal meint mit dem Abgrund nicht die seelische Verzweiflung, wie man meint, sondern eben das Missverhältnis zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen / 72- Schlüssel zu Pascal
indirekter Angriff, erzielen einer psychologischen Wirkung + Schlussfolgerungen/ implizierte Gesprächspartner #honnete Homme – vorläufer des Gentleman/ Formzelle der Kultur!- Qualitative Einheit – lebendige Umgang/ Offenes Gespräch, ohne Künstlichkeit/ #Montaigne und #Epikur, Stoiker, Zweifel/
Pascal als Schriftsteller der durch das Mittel des Gefallens überzeugt/ Forderung alles in einer Klarheit und Überzeugungskraft zu sagen, Menschen durch die Form zum Nachdenken bewege./
„Diese Kunst des unpedantischen und doch dialektisch auf das Ziel ausgerichteten Denkens und Sprechens wollte Pascal in dem Werk anwenden, dessen Fragmente die #Pensées bilden;“ (57)
„Aber immer sind diese Gedanken verbunden, immer haben sie außer ihrem Zweck noch einen Hintergrund, über den sie alle zusammenhängen, immer stehen sie in Beziehung zu einem geheimen Gedanken, der in philosophischer Hinsicht das Ganze Gebäude der Argumente trägt.“ (58)
„Zwei Einsichten philosophischer Natur sind derart Hintergrund alles pascalischen Redens, das Gesetzt der Analogie und seine Einsicht in das Wesen der Unendlichen oder des Unendlichen und des Nichts.“ (58)
Erschütterung des Menschen durch die Entdeckung der Unendlichkeit des Kosmos – Heimatlosigkeit/ Pascal für Martin Buber die erste in der Unendlichkeit hauslos gewordene Person, für Wasmut jemand, der den Hausgrundriss neu Zeichnete, nachdem Kopernikus ihn einriss./
„Denn nie, niemals vermögen wir das Nichts, das unendlich Kleine zu erreichen, das trotzdem besten, das trotzdem nicht aufhört zu sein, nämlich zu sein: der Abgrund in uns selbst, und der ist es, und nicht sind es die unendlichen Räume, die Pascal schaudern lassen.“ (S. 67)
Das kleinste Teilchen, was wir in der Physik kennen, ist ein Koloss gegenüber dem Nichts/ Problem der Trennung von Geist und Körper und die Doppelnatur des Menschen/ […]
Die zwei Unendlichkeiten/ Das unendlich Kleine hat nichts mit dem relativ kleinen gemeinsam, zwei Ordnungen/ Alles entspringt den zwei Unendlichkeiten/
3. „Unter den Intelligiblen nimmt unsere Vernunft eben den Ort ein, den unsere Körper in der Weite der Welt hat.“ – Stellung des Menschen in der Mitte sowohl im Geist als auch im Körper –
“Die Mitte ist Kennzeichen unserer Lage, Eigentümlichkeit unserer Seinslage in der Schöpfung. Wir sind endlich und wir kennen nur Endliches, das Endliche, die Mitte ist unsere Heimat – also ist diese wie wir, sie ist uns gleich, alles ist endlich wie wir selbst endlich sind.“ (S. 85)
Die Unendlichen schließen uns aus unserer Heimat aus, begrenzen diese, und so können wir uns der Erforschung der Endlichen Dinge widmen/ Auch die Kenntnis des Endlichen ist Unmöglich, weil die Unendlichkeit von Beziehungen zwischen den Endlichen Dingen uns wieder begrenzt./
4. #Pascal: „Der Mensch prägt allen einfachen Dingen, über die er nachdenkt, seine zusammengesetzte Wesenheit auf, so dass er es ist, der das Universum begrenzt, weil er begrenzt ist, begrenzt er das Universum“
Der Mensch als das sich unlösbare Rätsel der Welt/ als Ursache des Gegensatzes zwischen endlich und unendlich in der Natur, den es an sich dort nicht gibt./ Dieser Satz wurde von Pascal gestrichen.
Frage nach der Natur des Menschen, die bekanntlich unergründlich ist, weil sie aus dem Gegensatz besteht, dessen Faktoren kein gemeinsames Maß für einander haben. Unbegreiflich wie sie zusammen gehalten werden… /Konsequenz: in der Stille zu staunen, und nicht darüber zu forschen. /
„[…], denn nach dem erwähnten Satz Pascals hängt die Endlichkeit und also die Unendlichkeit aller Dinge, ganz wie bei #Kant, mit uns, mit dem Subjekt, mit dem Menschen zusammen, durch den für alle Dinge, die wir erkennen und sinnlich erfahren, sinnlich vorstellen, wie Kant sagte,
die Grenzbeziehung gegeben ist, die der Mensch, die eben wir diesen Dingen verleihen, weil wir ihnen unsere zusammengesetzte Wesenheit aufprägen. „ (90)
… E. und U. sagen nichts über die Wirklichkeit aus, sondern über das Verhältnis zur Grenze, auf die alles Bezogen ist, die alles prägt./ Endlichkeit und Unendlichkeit ist demnach nur ein Bild der Analogie für unsere Seinslage und nicht für die Welt an sich.
Punkt als Zeichen der Begrenzung, die er nicht ist, ein intelligibler Rettungsanker für den Verstand/ Frage nach den einfachen Dingen bei #Pascal - Körper und Seele als einfache Dinge… wie ist ihre Vereinigung zu verstehen… Problem der Atomisten.
Etwas das ich nicht denken kann, aber doch denke, habe ich in einem Zeichen; damit wird denkbar was undenkbar schien. (94) Ist das Zeichen dem Nichts das wir denken, ähnlich? 0=Nichts/ Punkt als Sinnbild für etwas Letztes, Unteilbares. Falsche Annahme ein Atom müsse wie ein Punkt aussehen/