Die weltweit meistbesuchten Websites stammen alle aus dem Silicon Valley.
Unter anderem arbeiten dort Firmen wie Facebook, Google, Apple oder Wikipedia an der Digitalisierung der Welt.
Dank des hohen Steueraufkommens geht es den Gemeinden wie Palo Alto, Cupertino und Menlo Park finanziell sehr gut.
Silicon-Valley-Konzerne sind veritable Mächte mit Herrschaftsanspruch und politischem Gestaltungswillen geworden.
Christoph Keese
Unter anderem ist der Niedergang von New York durch sämtliche Börsencrashs (1987, 2000, 2008) Auslöser dafür, dass Silicon Valley zum Mittelpunkt der Digitalwirtschaft aufgestiegen ist.
Vor allem auf den Straßen von Palo Alto findet man heutzutage viele Intellektuelle - zwischen Cafés, Biosupermärkten und Programmkinos.
Alle haben die Mission, Großbanken und Konzerne mit Hilfe legaler Mittel aus dem Weg zu räumen.
„Disruptive Innovation zielt darauf ab, den Sinn unseres Berufs und damit eines wichtigen Teils unseres Lebens in Unsinn zu verwandeln.“ Christoph Keese
Sie lehnen sich gegen das Establishment auf und sehen sich selbst in der geistigen Tradition der Hippies.
100.000$ verdient die Hälfte der Talbewohner. So viel verdienen in den USA insgesamt nur 20% der Bevölkerung.
Das starke Bevölkerungswachstum in Silicon Valley führt zu rasant steigenden Mietpreisen, welche sich immer weniger Menschen leisten können.
Dies ist einer der Gründe, warum auch viele Menschen, die im Silicon Valley leben, verarmen.
Die sozialen Unterschiede des Silicon Valley haben beängstigende Formen angenommen.
Christoph Keese
Die Universität Stanford genießt einen außerordentlichen Ruf und ist die Geburtsstätte für viele Top-Unternehmer.
Viele der Absolventen beschließen ebenfalls nach Silicon Valley zu ziehen, um ihr Glück zu versuchen.
Die Uni hat ein zehnmal größeres Budget zur Verfügung als Deutschlands größte Uni in Köln, aber dennoch dreimal weniger Studenten.
Interdisziplinarität, Kreativität, Flexibilität, originelle Ansätze und die Suche nach Marktchancen sind die Eigenschaften, auf die der Fokus gelegt wird.
Wenn ein Student eine App entwickeln möchte, reicht es nicht einfach, die Idee zu präsentieren. Es wird eine bereits fertig programmierte App erwartet.
Ein Großteil der Studenten, knapp ein Drittel, gründet eine eigene Firma. Ein weiterer Teil beschäftigt sich mit der Finanzierung von Start-ups.
Wagniskapitalgeber erschaffen die Grundlage für solche Projekte und erhöhen gleichzeitig den zeitlichen Druck, da diese früh Zwischenergebnisse sehen wollen.
Das bedeutet, dass die Absolventen mit ihrer Idee schnell auf den Markt gehen müssen, da sie andernfalls nur weitere Finanzierungen benötigen würden und mehr Anteile abgeben müssten.
Sämtliche Start-ups orientieren sich an dem „Minimal Viable Product“, welches von Eric Ries in dem Buch „Lean Startup“ vorgestellt wird.
Hierbei handelt es sich um die minimalste Version des angestrebten Produktes, um in der frühen Entwicklungsphase Feedback potenzieller Kunden einholen zu können.
Dennoch steht die Universität Stanford in der Kritik. Da manche Professoren die Studenten ermutigen, ihr Studium frühzeitig zu beenden, um bei deren Gründungsideen mitzuhelfen.
Wer in der Stanford Universität studiert, kann schon während des Studiums mit der Gründung beginnen.
Man findet in der Uni nicht nur Gleichgesinnte, sondern auch Geldgeber und passende Räume.
Komischerweise wird im Silicon Valley fast komplett auf virtuelle Kommunikation verzichtet.
Das heißt aber auch, dass Außenstehende nur über Kontakte mit den Gründern kommunizieren können.
Häufig fehlen sogar Firmenadressen auf deren Website, da die Unternehmen eine ausschließlich interne Kommunikation bevorzugen.
Kriterien für die Mitarbeit an solchen Projekten sind weder Religion, noch Alter oder Geschlecht. Es kommt nur auf die persönliche Anwesenheit an.
Es wird verlangt, dass jeder Projektteilnehmer auch vor Ort wohnt.
Wenn der Einstieg geschafft ist, wird man als Neuling auch gerne mal unter den Experten herum gereicht.
Im Gegensatz zu den Sitten in Europa, wird hier ganz offen und ehrlich über Verdienstmöglichkeiten und Geschäftsgeheimnisse geplaudert.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass bis zu sechs Mitarbeiter permanent zusammen an einem Tisch sitzen. So wird die Kommunikation gefördert.
⁄nnovation entsteht durch den freien, ungehemmten Austausch von Menschen auf kleinstem Raum.
Christoph Keese
Wenn sich die Arbeiter mal mehr konzentrieren müssen, werden einfach Kopfhörer aufgesetzt.
Eine Hierarchie ist hier nicht vorhanden und sobald es Neuigkeiten gibt, werden diese sofort mit allen Mitarbeitern geteilt.
Selbst beim Mittagessen, welches von Köchen vorbereitet wird, speist die Firma gemeinsam - sodass ununterbrochen über das Business gesprochen wird.
Selbstausbeutung liegt hier an der Tagesordnung. Projekte müssen in kürzester Zeit abgeschlossen werden, dafür werden auch mal Nächte im Büro verbracht.
Erst nachdem ein Projekt fertig gestellt wurde, gönnen sich alle Mitarbeiter einen Urlaub mit der Familie.
Die Digitalarbeiter bevorzugen es, nur mit Gleichgesinnten Zeit zu verbringen. Sie sind der Meinung, gemeinsam an einem höheren Ziel zu arbeiten.
Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die Großaktionäre die Personen sind, welche am meisten von deren Engagement profitieren.
Wer im Silicon Valley wohnt, wird hier auch häufig auf deutsche Studenten und Gründer treffen.
Ein Start-up wird im Durchschnitt solange finanziert, bis es die Größe eines mittelständischen Unternehmens erreicht hat.
In Deutschland gibt es bisher nur unzureichende Förderprogamme und keinen funktionierenden Wagniskapitalmarkt.
Dies ist auch einer der Gründe, warum das Unternehmen MyTaxi nicht mit dem US-Konkurrent Uber mithalten kann, obwohl sie früher am Markt waren.
In Menlo Park kann man mit großen Investitionen für sein Business rechnen, welche das 20-fache der typischen Investitionshöhe in Deutschland beträgt.
Durch diese hohe Finanzspritze in der Frühphase eines Start-Ups, hat jeder Gründer die Möglichkeit, bis zum Weltmarktführer aufzusteigen.
Im Silicon Valley funktioniert sogar die Fremdfinanzierung, da die Banken Kredite gegen verpfändete Aktienpakete gewähren.
Die Digitalwirtschaft setzt auf Aggregation. Anstatt sich Texte von Autoren verfassen zu lassen, wie in einem Verlag üblich, wird ein Algorithmus verwendet.
Dieser Algorithmus schreibt automatisch Texte für die Unternehmer.
Die Digitalunternehmen haben das Ziel, Großkonzerne zu zerstören. Dafür stellen sie sich zwischen Anbieter und Nachfrager.
Firmen die Arbeit anbieten oder reale Güter herstellen wie z.B. Autos, sind darauf angewiesen, über Plattformen neue Kunden zu finden.
Dadurch, dass sich die Digitalunternehmen dazwischen schalten, erreichen sie eine hohe Wertschöpfung durch die Datengenerierung von beiden Seiten.
Viele deutsche Unternehmen leiden unter Verlustangst. Dies kommt daher, dass der eigene Erfahrungsschatz durch radikale Innovationen in Frage gestellt wird.
Man spricht auch vom „Innovator’s Dilemma“. Das bedeutet, dass etablierte Firmen ihr Geld nur in Bekanntes investieren aber nicht in komplett neue Dinge.
Dies führt dazu, dass sich die älteren Unternehmen nicht gegen starke Neugründungen durchsetzen können. Etablierte Unternehmen haben nur eine Chance, wenn sie sich der Veränderung öffnen und von den „Neuen“ lernen.
So hat es auch der Stahlhändler Klöckner & Co gemacht, welcher auf sein Lager verzichtet und einen Online Shop eingerichtet hat. Inspiriert vom Silicon Valley.
Der wirtschaftliche Hauptgewinn fällt nicht mehr dem zu, der eine Leistung erbringt, sondern dem, der sie vermittelt.
Christoph Keese
Die meisten Umsätze der Internet-Firmen werden in Teilen der Welt generiert, wo hohe Internet-Bandbreiten zur Verfügung stehen.
Wie man bei Google sieht, bleiben die Gewinne nicht vor Ort sondern werden in andere Länder weiter geleitet, um Steuern zu sparen.
Aus diesem Grund zahlen Firmen wie Google oder Apple trotz riesiger Umsätze nur minimale Steuern.
Durch diese Internetgewalt werden typische Ladengeschäfte bald vom Markt verdrängt werden.
Im Internet herrscht Konzentration (Monopolbildung) vor und keine Gleichverteilung.
Dieser sogenannte Netzwerk-Effekt beruht auf der Tatsache, dass die Kunden es bevorzugen, am jeweils größten Netzwerk teilzunehmen. Dies führt dazu, dass das größte Netzwerk auch noch exponentiell wächst.
Der Betreiber einer Plattform hat die Macht über die Verkäufer. So bestimmt Apple zum Beispiel wer im App-Store neue Apps anbieten darf.
Google macht es ähnlich. Ganz oben in der Suche werden vorzugsweise konzerneigene Produkte angezeigt, wie z.B. YouTube Videos.
Oft werden Produkte zu Lasten der Produzenten stark reduziert oder sogar kostenlos angeboten, um neue Kunden anzulocken.
Manche Gründer sind schon sehr fortgeschritten in ihrem Denken und missachten dabei bestehende Werte und Normen.
Zum Beispiel wird an einem Projekt gearbeitet, welches das Ziel hat, das Gehirn in einen Datenspeicher zu übertragen. Dies Projekt wird sogar von Google gefördert.
Unsere Gesellschaft verdient Schutz vor den kalifornischen Cyber-Theoretikern.
Christoph Keese
Es gibt bis heute keine großartigen Firmen in Deutschland, welche ansatzweise mit amerikanischen Konzernen konkurrieren könnten.
Einer der Gründe ist die deutsche Mentalität. Hierzulande wird nach Perfektion gestrebt und jeder arbeitet lieber abgeschottet, um seine Geheimnisse nicht preiszugeben.
Im Silicon Valley herrscht eine deutlich offenere Stimmung vor. Hier wird die Kraft des Netzwerks mehr anerkannt.
Hier weiß jeder, dass der Gedanke eines Einzelnen erst so richtig ausreift, wenn er mit vielen Leuten geteilt wird.
Die Produkte haben bei Markteintritt schon viele Rückmeldungen bekommen und sind somit schon deutlich weiter fortgeschritten in der Entwicklung.
Deutsche Unis sollten beginnen, umzudenken, in Forschungszentren investieren und sich Erfolgsrezepte aus Amerika abschauen.
Des Weiteren wäre es sinnvoll, an deutschen Schulen neben Fremdsprachen, auch die Programmiersprache zu lehren.
Außerdem sollten die Schüler durch Debattierclubs, ihren Widerspruchsgeist verbessern.
Dies hilft dabei, dass die Schüler beginnen, anders zu denken und Dinge anzweifeln. So werden sie vielleicht später selber Anwender und Entwickler von disruptiven Innovationen.
Sollte sich das deutsche Bildungssystem nicht bald ändern, macht es Sinn, die eigenen Kinder in anderen Ländern zur Schule zu schicken.
Deutschland benötigt definitiv einen größeren Markt für Wagniskapital und sollte einen Teil der gesetzlichen Renten- und privaten Lebensversicherung in Start-ups investieren.
Momentan ist das Internet von Monopolen beherrscht. Hier sollte Europa eingreifen, um einen fairen Wettbewerb zu fördern.
Ebenfalls beschäftigt sich die Politik nur wenig mit der Digitalwirtschaft, weswegen die meisten Internetkonzerne nach ihrer eigennützigen Rechtsauffassung handeln.
Dies kann zu schwerwiegenden Folgen führen, da nicht nur die Internetkonzerne rasant wachsen, sondern auch die Probleme, welche dadurch verursacht werden.
Deutschland hat alle Voraussetzungen, um als starker Spieler aus der Digitalisierung hervorzugehen.
Christoph Keese
Durch die Gesellschaft und die Universität wird ein falsches Bild des Gründertums in die Welt gebracht. Gründer müssen nicht die beste Idee, haufenweise Investoren und ein bahnbrechendes Marketingkonzept haben.
Das Unternehmerbild vom Alleskönner und Gesamtmatador ist passé.
Günter Faltin
Ein weiteres Vorurteil ist, dass Gründer in den ersten Jahren, 7 Tage pro Woche und rund 14 Stunden am Tag arbeiten.
Diese falsche Vorstellung erklärt, warum viele Selbstständige als verrückt erklärt werden und von ihrem Umkreis keine Unterstützung bekommen.
Kein Wunder, wenn schon in der Universität nur auf Gewinnmaximierung fokussiert wird, ohne die eigentliche Essenz des Gründens zu erlernen.
Leider gehen schöpferische Kraft und Leidenschaft mit Betriebswirtschaftslehre nur selten Hand in Hand.
Günter Faltin
Vielmehr geht es Unternehmern darum, ihre Leidenschaft voll und ganz ausleben zu können, ihre Zeit selbstbestimmt einzuteilen und dabei natürlich auch gut Geldes zu verdienen.
Viel wichtiger ist die richtige Beobachtung und Analyse des Marktes.
Über Ihren Erfolg als Unternehmer entscheidet nicht, was Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung alles kann, sondern ob die Leute es haben wollen.
Das Wichtigste ist, aus Ihrer Idee ein tragfähiges Konzept zu erstellen, welches von der Gesellschaft angenommen wird und in die Zeit passt.
Arbeiten Sie die Marktvorteile heraus und machen Sie diese eindeutig erkennbar für den Kunden.
Sie sollten sich einen klaren Vorsprung heraus arbeiten, um sich vor Nachahmern zu schützen.
Richten Sie sich so ein, dass Sie technologisch nicht so schnell veralten und weiterhin attraktiv sind für den Markt.
Die wirtschaftlichen Aspekte sollten nicht zu kurz kommen. Halten Sie sich darüber stets auf dem neuesten Stand.